31

Mrz

Die Fettfrisur ist tot

Pomade war das „Gel“ unserer Eltern und Großeltern. Sie diente dazu, die Haare in Form zu bringen und ihnen einen schönen Glanz zu verleihen. Als Basis der Pomade dient Vaseline. In den 1920er bis 1950er Jahren war Pomade das Hairstylingmittel Nummer eins. Als Alternative kam 1951 Brisk frisiercreme super auf den Markt. Brisk super ist seither als Männer Frisiercreme im Einsatz und der zeitlose Klassiker für ein natürliches Styling. „Brisk frisiercreme super gibt Männerhaar natürlichen, unsichtbaren Halt – ohne Fettglanz, ohne Strähnen. Brisk super bietet gezielte Pflege für Ihr Haar und verleiht ihm gleichzeitig ein gesundes, natürliches Aussehen.“, wer kennt diesen Slogan nicht ? Die Konsistenz von Brisk super ist weiß, weich und hat einen männlich herben Duft der Erinnerungen wach ruft. Trotz der Anpassung an heutige Marktstandards, ist Brisk in der grundlegenden Rezeptur immer noch unverändert und die einzige noch erhältliche deutsche Frisiercreme aus den 1950ern. Brisk Frisiercreme super ist immer noch in nahezu allen Drogeriemärkten und im gut sortierten Einzelhandel flächendeckend zu bekommen. www.brisk-frisiercreme.de

Brisk

24

Mrz

Schuhe vom Doctor

Dr.Martens_1640Die Geschichte der Subkultur ist eine Chronik des Andersseins. In den 1950er Jahren, als die erste Generation von Teenagern die erste Jugend-Revolution starteten, war es ihr Ziel, sich anders an ihre Eltern zu verhalten und vor allem anders auszuschauen. Davor waren junge Leute stilistisch einfach “Blaupausen” ihrer Eltern. Aber mit dem Aufkommen der ersten Rock ‘n’ Roll Generation und den Teddy Boys, riss ein Generationen Schisma auf, dass sich nie wieder schließen sollte. Oberflächlich betrachtet war die Familie Griggs aus Northampton in den englischen Midlands scheinbar ein Teil dieses so geschmähten Establishments. Seit 1901 war die Familie unter den Britischen Schufabrikanten erfolgreich etabliert und respektiert. Doch wenn man ein wenig Oberfläche kratzte war schnell klar, dass die Griggs tatsächlich bestimmte Merkmale besaßen, die in Zukunft zur Identifizierung jedes Jugend Phänomens wurden: sie waren Freigeister und sie waren anders. Warum anders? Es war dieser Geist der Innovation, der durch Bill Griggs ‘Kopf schoß, als er eines Tages in den späten 1950er Jahren in seinem Büro in Cobbs Lane saß und eine Ausgabe des Shoe and Leather News magazine durchblätterte, als sein Blick auf eine Anzeige eines deutschen Duo`s fiel, die ausländische Partner für ihre revolutionäre neue Luftpolstersohle suchten.  Dr. Maertens aus Seeshaupt bei München hatte gemeinsam mit dem Ingenieur Dr. Herbert Funck eine mit Luftkammern versehene Schuhsohle konstruiert und daraus den ersten Schuh mit federnden Luftkammern gemacht. Die eingeschlossene Luft wirkt dabei wie ein Stoßdämpfer. Initialzündung für die legendäre Luftpolstersohle war 1945 ein Skiunfall von Dr. Klaus Maertens daraufhin folgte die Entwicklung des ersten Prototypen – Alte Autoreifen wurden mit dem Leder der Schuhe verschweißt. Dr. Maertens und seiner Universitäts Freund Dr. Funck waren eben auch anders. Erfinder, Querdenker, Freidenker, dito. 1959 kam es schließlich zur Lizenzvergabe an R. Griggs in London und am 1. April 1960 entstanden die berühmten Dr. Martens AirWair/Docs “1460z”. Es handelte sich um Sicherheitsschuhe für Arbeiter in England. Als das erste Paar Dr. Martens Stiefel von der Produktionslinie rollte war noch die Zeit als Mods gegen Rocker auf Englands Strassen „kämpften“, doch diese bevorzugten anderes Schuhwerk.. Doch in den nächsten vier Jahrzehnten sollte die Zeitbombe der Subkultur rund um den Globus explodieren, immer mit dem brennendes Verlangen, anders zu sein. Den Anfang machte die frühen Skinhead. Sie entstanden in East London, einem Arbeiterviertel aus den schwarzen Rude boys und weißen Mods . Bis dahin wurden die Dr. Martens Boots als zuverlässiges Arbeitsschuhe verkauft; somit also die perfekte Wahl für die Skinhead. Damit wurden die Dr. Martens aus der Fabrikhalle in die Jugendkultur entrissen, für die Docs würde nichts wieder so sein wie vorher. Es folgte die Punkszene, aber auch Waver, Goths und Anhänger der EBM-Szene trugen Docs. Am 1. April 2003, exact 43 Jahre nach Produktionsstart, wurden alle Fabriken von Dr. Martens AirWair in England geschlossen, womit über 1.000 britische Angestellte ihre Arbeit verloren. Alle Dr. Martens AirWair-Schuhe und -Stiefel werden nun auf den Original-Maschinen in Vietnam, China und Thailand produziert. Ihre Symbolwirkung als Zeichen einer sich auflehnenden Jugendkultur verloren die Docs jedoch nicht.  Seit 2007 gibt es nun unter dem Namen „The Vintage Collection“ eine Neuauflage klassischer Dr.-Martens-Schuhe, die in England hergestellt werden und daher auch wieder mit dem Schriftzug „Made in England“ versehen sind. Auch Subkultur braucht anscheinend Establishment.

16

Mrz

Helle Sensation

AccuLux eine “helle Sensation” so konnte man in der Werbung lesen. Zu den Dingen die man einfach haben muß, zählt ja auch heute noch die Taschenlampe. Eine, die im Prinzip bis heute noch in Ihrer legendären Form und Funktion produziert wird ist die AccuLux Original 70 aus dem Hause Witte & Sutor. Zwar wird die ursprüngliche Modell Original 70 mit Glühlampe leider nicht mehr hergestellt, doch die LED 2000 kann als direkter Nachfahre oder gar als Modellpflege betrachtet werden. Auf die Idee einer wiederaufladbaren Taschenlampe kam der Firmengründer Waldemar Witte auf der Heimfahrt von der Spielzeugmesse in Nürnberg 1955. Als er noch etwa 160 km ins heimische Murrhardt im Schwabenland vor sich hatte, stoppte ein platter Reifen am VW Käfer, mit dem er unterwegs war, seine Heimreise. Als auch noch die mitgeführte Taschenlampe genau das tat was Taschenlampen so an sich hatten, nämlich immer dann entladen zu sein wenn man sie braucht, war die Accu (Accumulator) Lux (lat. Licht) erfunden. Eine kleine Taschenlampe die an jeder Steckdose (auch der Bordsteckdose des Autos) wieder aufgeladen werden konnte. Der Elektroingenieur der bei Bosch gelernt hatte besorgte sich bei Varta einen Akkumulator und nach wenigen Tagen war der erste Prototyp gefertigt. Das Design unterschied sich grundlegend von den damals gebräuchlichen Taschenlampen aus Blech. Das Gehäuse bestand aus Kunststoff mit handlichen weichen Rundungen. Weiter lies sich die kleine Lampe direkt in jede Steckdose und mit einem Adapter auch im Auto zum Ladevorgang einstecken, wenn man die hintere Kappe abzog. Schon 1958 waren 3 Mio Original 70 verkauft. Doch Witte ruhte sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, ständig kamen (und kommen) neue Ideen hinzu. Vom Lupenaufsatz, dem Diabetrachter oder dem Otoskop für medizinische Zwecke hatten aber alle die Original 70 als Basis. Über 100 Patente wurden in der über 60-jährigen Unternehmensgeschichte für Witte & Sutor eingetragen. Im Jahre 2000 entwickelte man High-Tech Arbeits- und Notstromleuchten.
Seither befasste sich Witte & Sutor aber vor allem mit Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der LED-Technologie. Es entstanden die erste wiederaufladbaren LED-Taschenleuchten LED 2000 und Multi LED, ebenso ein LED-Otoskop für die Medizintechnik sowie LED-Stableuchten. Na also, Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix!

LED-2000

20

Jan

Das Feuerwasser der fünfziger & sechziger Jahre

RackeRauchzartBigNach Ende des Krieges waren es in Deutschland fremdländischen Vokabeln und Genüsse, die neue Werten und neue Rollenvorbilder transportierten. Eines davon war der harte Kerl unter dessen rauer Schale sich ein sentimentaler Kern versteckte, und das kam vom Whisky, das sah man im Kino. Harte Männer tranken ihn pur, und wenn sie genug davon hatten, wurden sie redselig und bekamen diesen Bogart Hundeblick.  Halbstarke mit Jeans und Moped, hätten gerne ihre Cola mit Whisky aufgepeppt, wenn sie es sich denn hätten leisten können. Das Problem waren die hohen Importzölle, die Whisky zu einem echten Luxusartikel machten. Whisky wurde zum Prestige-Getränk des Wirtschaftswunders, war sündhaft und sexy und nur in der großen Welt zu haben. Der zunehmender Wohlstand und mehr Freizeit veranlassen aber auch den Durchschnitts-Deutschen in den 60er-Jahren, sich ein schickes Eigenheim mit einem Hobbyraum zu bauen. In dieser Zeit entstehen die ersten Partykeller. So ein Partykeller war undenkbar ohne Schnaps und Crackers, “Negermusik” und schummrige Beleuchtung. Leere Whiskyflaschen, wurden zu Kerzenhaltern umfunktioniert, denn zum Wegwerfen waren sie viel zu schade. Nun schlug die Stunde der Firma Racke, einem alten Bingener Weinhandelshaus in Familienbesitz. Racke importieren schottischen Malt Whisky – die geschmacksgebende Basis jedes Blended Scotch -, verschnitten ihn mit deutschem Getreidebrand und boten das fertige Produkt als Red Fox Whisky an. Zum halben Preis dessen, was ein echter Scotch damals kostete. Wegen anfänlichen Ärgers mit den schottischen Interessenverbänden, die wegen des englischen Namens eine Irreführung ihrer Kundschaft befürchteten, lenkte Racke ein und behielt nur das Logo mit dem roten Fuchs auf dem Etikett, nannte die Marke fortan aber RackeEscorial Rauchzart und auch er war auf Anhieb ein Renner. Im Laufe der sechziger Jahre wurde die Marke zum Selbstläufer. Doch immer mehr echte Scotchs drängten nun auf den Markt, und immer mehr Konsumenten waren bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben. Racke Rauchzart wird deshalb heute ausschließlich aus schottischen Destillaten zusammengestellt und rangiert – ohne nennenswerten Werbeaufwand – noch immer unter den fünf meistverkauften Whiskys in Deutschland. Man spricht nicht darüber, aber getrunken wird er trotzdem. Hildegard Knef und Konsorten mal ausgenommen; die Damenwelt blieb damals doch eher bei Likören, Bowlen und süßen Cocktails. Wer in den 60er an Bord der Lufthansa in der ersten Klasse reiste, durfte sich nicht nur von hübschen Stewardessen, sondern dem köstlichen Lufthansa Cocktail verwöhnen lassen. Seit 1955 servierte die Lufthansa seinen Gästen diesen luxuriösen Cocktail, der aus Sekt oder Champagner bestand, mit dem der Likör aufgegossen wurde. Der Lufthansa Cocktail war Synonym des stilvollen, eleganten Kosmopoliten. Nachdem die Nachfrage im Rahmen der Lufthansa-Flüge sich stetig vergrößerte, wurde der Likör auch für den Handel produziert und so mauserte sich Lufthansa Cocktail in Bars und auf Partys sehr schnell zu einem beliebten Szene- und Mode-Getränk. Hersteller der Basis-Zutat für die vornehme Lufthansa-Erfrischung war die Firma Carl Mampe AG, ein deutsches Traditionsunternehmen seit 1831. Obwohl in den 70ern verschwunden ist der Cocktail seit 2005 wieder auf allen Lufthansa-Flügen zu haben: das nicht nur in der First Class, sondern auch in der Business Class. Damals wie heute ist der Likör für den Lufthansa Cocktail  (heute in Lizenz hergestellt) für alle auf dem Boden gebliebenen ebenso erhältlich. Seinen ersten Boom als Kultgetränk erlebte der Escorial parallel mit dem Absinth in den 1920er-Jahren. In den 1950ern bis in die späten 1970ern  hatte er seinen zweiten Beliebtheits-Höhepunkt. Der Klassiker der Nachkriegszeit und die berühmte Wirtschaftswunderspirituose der 60er Jahre wurde um 1900 – damals noch mit einer zart gelben Lufthansa_Cocktail_0_5lFarbe, auf den Markt gebracht. Der Ur-Escorial (gelb) mit 43% vol. blieb bis Mitte der sechziger Jahre auf dem Markt. Auf Grund der damaligen hohen Nachfrage nach hochprozentigen Spirituosen schuf man Escorial Grün mit 56% vol., wodurch Escorial einen Umsatzboom in den 60ern erlebte. Escorial Grün brennt deswegen auch und ist somit Grundlage des Trinkrituals, bei dem vor dem Trinken der Likör angezündet wird. Heute wird Escorial immer noch von der Underberg AG hergestellt.

 

24

Dez

YPS – Das Männermagazin

YPS_Logo2_zmsWer der heute 30- bis 45-jährigen kann sich nicht mehr erinnern ? Ein Schleuder-Katapult, ein Mammut-Skelett oder einYPSCovermitGimmickzms Abenteuer-Zelt – mit seinen Gimmicks wurde YPS einst Kult. Der Kultstatus ist bis heute nie verblichen. YPS war von 1975 bis 2000 eines der erfolgreichsten und bekanntesten Kinderzeitschriften Deutschlands. Das Konzept von YPS basierte auf dem französischen Heft Pif Gadget, das ursprünglich unter dem Namen Vaillant, le jeune patriote (Vaillant, der junge Patriot) eine Jugendzeitschrift der kommunistischen Partei Frankreichs gewesen war. Im Gegensatz zu Pif Gadget war YPS aber stets eine unpolitische Zeitschrift. Nun ist Yps wieder zurück, genau für die Zielgruppe der jetzt groß gewordenen Jungs. Der Egmont Ehapa Verlag legt die Zeitschriften-Legende wieder auf. Alte Stilelemente tauchen auch im neuen YPS wieder auf, ebenso ähnliche Schriftarten wie damals. YPS übersetzt die Themen von damals inhaltlich und optisch ins Jetzt. Und klärt Fragen wie “Mit 35 Jahren noch Geheimagent werden – wie geht das eigentlich?” Das Gimmicks für Agenten, Forscher und andere Erwachsene dürfen natürlich nicht fehlen. Gimmicks wie Ferngläser zum Falten, der Ostereierbaum und Blasrohre, die um die Ecke schießen hatten YPS in den 70er und 80er Jahren populär gemacht. Solarzeppeline sorgten einst gar für UFO-Alarm in Deutschland. Größter Erfolg bis heute – die Urzeitkrebse. Die Rubrik “Helden von einst” präsentiert z.B. den Ex-Schwimmer und mehrfachen Olympiasieger Michael Groß. Andere Themen kommen aus den Bereichen Mode, Automobil und Technik, alle mit einem Bezug zu Karos, Kängurus oder Kohl. Ein weiteres Highlight des Hefts werden natürlich Comics sein – sie nehmen gut ein Fünftel der Seiten ein. In der Rubrik Originalcomics mit Geschichten aus früheren YPS -Ausgaben fiel die Wahl auf Hombre, Yinni und Yan und natürlich YPS, Kaspar, Patsch und Willy. Insgesamt war die erste Ausgabe von YPS 100 Seiten stark. YPS war am 11. Oktober 2012 in einer Auflage von 120.000 Exemplaren erstmals wieder erschienen und innerhalb weniger Tage ausverkauft. Darum bietet Ehapa Egmont, für alle Fans die damals kein Exemplar der Kultzeitschrift mehr ergattern konnten, die Möglichkeit eines Jahresabos. Abonnenten erhalten ein Exemplar der als solche gekennzeichneten zweiten Auflage von YPS 1258 – inklusive der legendären Urzeitkrebse. Darüber hinaus geht allen Empfängern dieses Abo-Angebots eine exklusive YPS-Urkunde zu. Einhergehend mit der Einführung des Abo-Angebots erhöht Egmont Ehapa ab der Ausgabe 1259 vom 14. März 2013 die Erscheinungs-Frequenz von YPS von bisher halbjährlich auf quartalsweise. Also Termin unbedingt vormerken.

17

Nov

wisch und weg – nie mehr ohne Leifheit

Die Marke Leifheit ist Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Unternehmen wurde 1959 von Ingeborg und Günter Leifheit in Nassau als „Günter Leifheit KG“ gegründet, im darauf folgenden Jahr wurde bereits die Produktion von Teppichkehrern aufgenommen. Egal ob Handstaubsauger, Bügelbrett oder Küchenwaage, ob Wäscheständer oder Wischmopp – es gibt kaum einen Haushalt, in dem die Produkte von Leifheit nicht zu finden sind. Ein Produkt ist dabei seit fast 50 Jahren unverändert im Programm, der Leifheit Teppichkehrer Regulus. Der Teppichkehrer Regulus bringt die schnelle Sauberkeit ins Haus. Ganz ohne Strom ist der wendige Kehrer mit einem Griff einsatzbereit. Kein lästiges Kabel auf- und abwickeln, kein Gewicht, das durch die Wohnung gezogen oder getragen werden muss, kein Lärm und kein Stromverbrauch, der bei einem Staubsauger immerhin zwischen 800 und 1400 Watt pro Stunde betragen kann. Bevor der Staubsauger überhaupt im Einsatz ist, ist der Regulus schon fertig. www.leifheit.de/teppichkehrer-regulus  Nun haben sich allerdings die Leifheit Eigentümerfamilien Robert Schuler-Voith und Manuel Knapp-Voith  zum Verkauf von Leifheit entschlossen. Dieses wurde am Donnerstagabend in einer Ad-hoc-Meldung mitgeteilt. Einen Käufer gibt es noch nicht. Die französische Großbank BNP Paribas ist damit beauftragt, einen zu finden. Bleibt zu hoffen dass der Regulus trotzdem weiter im Programm bleibt.

20

Okt

Lasst uns die Dinge fortlaufend verbessern und nicht ständig verändern

So lautete das Credo von Wally Byam bezüglich Produkt Innovation. Im Jahr 1929 erwarb Wally Byam ein Model T Ford-Chassis, baute eine Plattform darauf, schleppte es mit seinem Auto auf einen Campingplatz und baute darauf ein Zelt auf . Hinsichtlich des Aufwands war das Resultat wenig überzeugend, vor allem wenn es regnete. Angespornt von seiner ersten Frau Marion, baute Wally eine tropfenförmige Karosserie auf die Plattform, zur Innenausstattung zählte schon eine kleine Kühlbox und ein Petroleumkocher. Er veröffentlichte einen Artikel, “Wie man einen Trailer für hundert Dollar baut.” Leser fragten bei Wally weitere detaillierte Anleitung und Pläne an, die er daraufhin für je einen Dollar verkaufte. Die Resonanz war außergewöhnlich, was ihm mehr als 15.000 $ einbrachte. Nach dem Bau mehrerer Anhänger für Freunde in seinem Hinterhof startete im Jahr 1932 die Produktion in der neu gegründeten Airstream Trailer Company. Wally Byams Idee war es einen leichten Wohnanhänger zu bauen der mit geringstem Widerstand durch den Wind gleitet und leicht genug war von jedem Standard PKW gezogen zu werden. Schon der erste Prototyp von 1930 erhielt aus Gewichtsgründen eine Hülle aus Aluminium, die nicht lackiert war. Die typischen Rundungen hatte Wally dem Flugzeugbau abgeschaut. Der Designer des ersten Airstreams war Harvey Bowlus, der für Charles Lindbergh die “Spirit of St. Louis” gebaut hatte. Form und Material trugen dem Anhänger schnell den Spitznamen “Silver Rocket” ein. Wer war Wally Byam? Es genügt zu sagen, dass er komplex war. Er wusste, wer er war, was er wollte und wohin er ging. Er war ein Visionär, der den gesellschaftliche Drang zu reisen mit gleichgesinnten Menschen auslebte. Er war ein produzierendes Genie, das die emotionale Sogwirkung des Airstream-Designs als auch seine Funktionalität verstand. Und er war ein Geschäftsmann der wusste, dass der Erfolg nicht durch kurzfristige Gewinne, sondern durch Ausdauer definiert wird. Charles Kiefer, der in Airstream Way of Life-Abteilung in den 1950er Jahren arbeitete, sagte einmal über Wally “sich nie fürchtend seine ehrliche Meinung auszudrücken , ob es jemanden Ego verletzte oder nicht.” Wally war auch ein Meister Promotor, so ist wohl der berühmteste Airstream der, der die Besatzung von Apollo 11 nach der erfolgreichen Mondlandung 1969 als Quarantäne-Unterkunft diente. Auch die aktuelle Airstream Flotte setzt die Tradition außergewöhnlichen Designs und der Handwerkskunst fort, für die Airstream weltberühmt ist. www.airstream.com

14

Okt

Ja, schon der Jäger aus Kurpfalz nahm oft und gerne‚ Bullrich-Salz

Dieser Bullrich-Werbevers zählt zu den Klassikern unter den zahlreichen Bullrich Werbesprüchen. Bullrich Salz zählt zu den ältesten Markenartikel Deutschlands, dessen Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin beginnt. 1827 entdeckt der Apotheker August Wilhelm Bullrich, selbst unter starkem Sodbrennen leidend, in einigen Selbstversuchen die heilsame Wirkung von Natriumhydrogencarbonat. Alsbald ist sein Produkt im gesamten deutschsprachigen Raum als „Universalheilmittel“ ins Gespräch. Die Grundlage der Wirksamkeit von Bullrich-Salz ist Natriumhydrogencarbonat, auch als Natriumbicarbonat, doppelkohlensaures Natron, oder kurz nur Natron bekannt. Das Natriumhydrogencarbonat neutralisiert dabei auf natürliche Weise die Magensäure (Salzsäure), denn zur Regulierung des Säure-Basen Haushalts stellt der Körper selbst in geringen Mengen Natriumhydrogencarbonat her. Nach dem Tod von A.W. Bullrich bekommen seine Nachfolger Konkurrenz aus der eigenen Familie. Die Folgen sind jahrelange Familienfehden und Erbstreitigkeiten, patentrechtliche Klagen und sogar ein Mord, die schließlich 1924 mit der Zusammenlegung der beiden Firmen und einem Eintrag ins Handelsregister unter dem Namen „A.W. & C.W. Bullrich“ enden. Nun beginnt die Blütezeit der Marke. Bullrich Salz wird zu einem generischen Begriff: Natriumbicarbonat oder Natron heißen beim Verbraucher nur noch schlicht „Bullrich“. Nach dem zweiten Weltkrieg ist die Fabrik in Berlin zerstört und die Materialquellen im Osten sind unerreichbar. Es beginnt der Neuanfang, unter anderem mit einem Filialbetrieb im Rheinland. 1982 übernimmt das Markenartikel-Unternehmen delta pronatura die Marke. Es gilt also weiterhin: “Was Goethe für die Weltanschauung, ist Bullrich-Salz für die Verdauung”, Mahlzeit!

23

Sep

The Calculator

Der HP-35 war der erste Taschenrechner von Hewlett-Packard. Er wurde 1972, zu einer Zeit als die meisten Taschenrechner nur die vier Grundfunktionen hatten, eingeführt. Der HP-35 war der erste Taschenrechner mit transzendenten Funktionen und der erste mit UPN (Umgekehrte Polnische Notation) und somit auch der erste wissenschaftlichen Taschenrechner der Welt. Bei der umgekehrten polnischen Notation werden zunächst die Operanden eingegeben und danach der darauf anzuwendende Operator . UPN kommt ohne Klammern aus und rechnet nicht “1+2=” sondern “1 2 +”, wobei die Operanden mittels einer speziellen Taste (Enter) “auf den Stack” zu legen sind. Dies sollte auch das Markenzeichen der wissenschaftlichen Taschenrechner von HP werden. Markt-Studien zur Einführung eines wissenschaftlichen Taschenrechners zeigten aber zu jener Zeit, dass wenig oder gar kein Interesse an einem Taschengerät vorhanden war. Allerdings dachte Bill Hewlett anders und nannte seinen Taschenrechner nur schlicht “The Calculator”. Der Erfolg gab ihm sehr bald Recht so dass alsbald die Namensgebung HP-35 (Bill Hewlett schlug die Namensgebung HP-35 vor, weil er 35 Tasten hatte) verwendet wurde um weiteren HP scientific calculators den Weg zu bereiten. Als Hommage an diesen Erfolg legt Hewlett-Packard den HP-35 2007 zum 35 jährigen Jubiläum als Retro HP 35s neu auf. Das Design erinnert an den ursprünglichen HP-35, einschließlich der erhöhten Rändern, so dass der Rechner gut in der Handfläche einer Hand liegt. Der Rechner ist aber auch gleichzeitig HP`s modernster wissenschaftlicher programmierbarer Taschenrechner und obwohl bereits Generationen von Ingenieuren und Wissenschaftlern damit arbeiteten, kann man nun doch zwischen der Reverse Polish Notation (RPN) und dem traditionellen algebraischen Modus wechseln. Somit ist der HP-35s als Allrounder auch für den “Nichtakademiker” zu gebrauchen.

16

Sep

Es werde Licht

Seit nunmehr 110 Jahren spendet eine Lampe in Gegenden ohne elektrische Stromversorgung Licht. Heute sind die Abnehmer vor allem die ärmsten Länder der Welt. Dennoch wird diese Lampe nicht in Fernost, sondern in Hohenlocksted in Schleswig Holstein gefertigt. Obwohl die Lohnkosten 2/3 des Preises ausmachen und alle Zulieferteile  aus Deutschland kommen ist es die Feuerhand Sturmlaterne die in Ghana, Nigeria, Äthiopien, Jemen, Togo … die Nacht zum Tag macht. Aber auch im Camping Urlaub darf eine Feuerhand Laterne nicht fehlen. Worin liegt nun aber der Unterschied zu den billigen und zahlreich am Markt vorhandenen chinesischen Kopien ? Eine Feuerhand russt nicht ! Dafür sorgt das von Hermann Nier 1902 zum Reichspatent angemeldete  und in 110 Jahren immer wieder verbesserte Belüftungssystem. Ursprünglich im sächsischen Beierfeld produziert werden die Laternen seit 1949 in Hohenlockstedt und seit 2003 in der neu gegründeten Feuerhand GmbH in Hohenlockstedt hergestellt. Die Tagesproduktion lag 2011 bei ca. 9000 Stück. Der exclusive Vetrieb läuft über die RECO Im- und Export GmbH. Wer sich näher mit der Geschichte der Feuerhand Sturmlatere befassen will sollte sich auf www.feuerhand.info umschauen. Der Feuerhand Sturmlaterne sollte auch weiterhin noch eine lange Zukunft beschert sein. Denn sie wird wohl, auch in unseren Gefilden, eine der letzten Vertreterinnen sein werden, die Licht mit dem Spektrum des Sonnenlichts liefern kann wenn dann die letzten mit Glühfaden bestückten Lampen nicht mehr der “Ökodesign-Anforderungen” der EU entsprechen.